Rapz.de:
Durch welche Künstler setzt sich das Label Kommt Juut zusammen und wie kam es zur Idee?
Koas: Ich bin 2005 mit Onkel Franky durch eine Hörspielkassette auf den namen Kommt Juut gekommen der sich festigte und hervorragend als Aufhänger für unsere Projekte diente. In den Jahren kamen noch Künstler wie Krame, BiggE und Dlrx zum Label die aber leider ander wege gegangen sind. Unsere Crew besteht aktuell aus Onkel Franky, Koas, Kutone und den neuen Künstlern AZ, Reatsch und Er-n-ik.
Rapz.de:
Wie seid ihr auf Kommt Juut aufmerksam geworden?
Azrael: Im Sommer 2009 haben mich Freunde, meiner alten Rap-Kru, zu Koas mitgenommen
und wir haben unser Album dort aufgenommen. Die Zusammenarbeit lief so gut, dass ich bei
KJM geblieben bin.
Reatsch: Ich wurde damals von Visa Vie angerufen, die unbedingt noch ein Feature für Ihr erstes Solo Album „Die neun tod sünden“ gebraucht hat. Ich sagte ihr zu und Sie brachte mich dann zu Koas ins Studio, das war der erste Kontakt. Später kam ich auf die Jungs zurück, weil Sie mich nach einem Song für den „Endlich Sommer Sampler“ angehauen haben. Nach der Zusammenarbeit für den Song „Sommer in Berlin“ folgte ein Videodreh zum dem und wir bemerkten das wir nach ein paar weiteren Aufnahmen wie für den demnächst erscheinenden DnB Sampler gut zusammen arbeiten können.
Er-n-ik: Ich wollte schon seit einiger Zeit mit ein paar neuen Leuten Musik produzieren, um mich weiter zu entwickeln, des weiteren war ich auf der Suche nach einer Gruppe von Musikern, die sich auch gegenseitig supporten. Als ich ein paar Labels abgegrast hatte und mit einigen auch in gutem Kontakt stand, wurde ich auf Kommt Juut Musik aufmerksam. Zu aller erst hörte ich mal rein, um mir ein Bild zu machen. Ich bin ganz ehrlich, ich konnte mich anfangs mit der Musik nicht wirklich identifizieren, aber nach mehrmaligen Hören, filterte sich Leidenschaft und das Engagement für Rap-Musik raus. Somit schrieb ich Koas (Produzent) an und fragte ihn direkt ob er sich eine Zusammenarbeit mit vorstellen könnte. Wir trafen uns er stellte mir die anderen Kollegen vor und weil auf Anhieb auf beiden Seiten die Symphatie sich hervorhob, war ich im Boot mit dabei.
Rapz.de:
Was wollt ihr mit euren Rap erreichen und worin seht ihr eure Stärke?
Kutone: Die klare Sicht zu rappen und keine Phrasen zu schreiben ist mir sehr wichtig. Man versucht natürlich der Szene mal ein bisschen den kopf zu waschen,ich würde sagen darin liegt meine Stärke...
Koas: Ich will nur Musik machen und ein kleines Erbe für Prenzlauer Berg hinterlassen.
Azrael: Die Menschen zum zuhören und nachdenken zu bewegen. Unsere Stärke ist unsere
Vielseitigkleit. Rap-Technisch bedienen wir ein recht breites Spektrum. Unsere Beatz,
da wir mehrere Leute haben, die sie produzieren, ebenfalls.
Er(n)ik: Ich will einfach das so viele Leute wie möglich meine Musik hören und sich versuchen in die Texte hinein zu versetzen. Noch wichtiger sind mir Feedbacks, weil man kann nur durch Kritik besser werden. Ich seh meine Stärke im kreativen Bereich, ich produziere Beats, aber nicht nur auf der 90 bpm-Schiene und schreibe oft abstrakte Storys, die wie Kurzgeschichten dargestellt werden sollen.
Reatsch: Ich will lediglich das andere Leute das fühlen was ich sage, wenn es sie berührt ist es das beste Gefühl das man als Künstler bekommen kann. Ich bin ein sehr vielseitiger Artist und sehe mich nicht zu einem Style fest verbunden, ich mache das was mir der Beat sagt.
Rapz.de:
Wann habt ihr angefangen zu rappen/produzieren und was hat euch dazu gebracht?
Reatsch: Ich habe früher nach dem ersten Rap Kontakt zur Westberlin Maskulin Zeit mit einem Kumpel im Keller gefreestylt. Die Bekanntschaft mit Silla ermöglichte mir später den Eintritt ins „Ufermilitär“ (R.I.P.) und somit auch meinen ersten recordeten Song für den Ufertrack Nr.1 auf dem Album „Übertalentiert“.
Onkel Franky: Angefangen habe ich 98/99, kurz nach dem ich meine erste eigene Wohnung
bezogen hab. Mein Persönliches Vorbild RZA, motiviert mich bis Heute und wenn mich etwas
dazu gebracht hat Beats zu bauen, dann seine Musik.
Koas: Es war schon immer meine Leidenschaft an Knöppe rumzudrehen und Musik in alle richtungen zu Konsumieren. Ich bin absolut Generation MTV und auf 80s Synthimukke hängengeblieben. In den Neunzigern habe ich jeden scheiß gekauft, geklaut, gesammelt, aufgenommen und aufgelegt. Da mein Vater nach der Wände stolzer besitzer eines Amiga500 (7Mhz, 512kb RAM) war packte mich das Digitale Fieber und ich wurde zum Freak!!! Bewusst, und immer noch auf Tape und digital vorhanden, habe ich 1997 das erste mal Technotracks produziert. Ich werde diese Zeiten niemals vergessen! Wir haben das so extrem gefeiert!
Kutone: Gegen 2002 hab ich erste Homestudioaufnahmen gemacht, damals war ich viel im West und Ostteil der Stadt unterwegs. Verschiedene Partnercrews aus der Zeit haben dann später zusammen gechillt und das erste Album kam raus. Danach hat sich (damals Massenmord Record) die Crew aus versch. Gründen aufgelöst, und ich brachte mit Koas, mit dem ich ebenfalls schon eine weile musik machte ca. 2 jahre später mein erstes Soloalbum raus.
Azrael: 2004 mit Freestyles und der Grund: Ich hatte es einfach übelst drauf !!! Grins
Er-n-ik: Ich habe auch 2004 angefangen die erste Texte zu schreiben und auf Tapes im Keller aufzunehmen. Es gab mehrere Gründe warum ich anfing zu rappen. Zum einem, weil ich von Freunden Wu Tang Platten ausgeliehen bekommen habe und ich das krass gefeiert hab, dass ich auch mal so kool sein wollte

Zum anderen hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch Homies die nafingen zu rappen und mich somit mit in ihre Cypher ließen.
Rapz.de:
Mit welchen Künstlern habt ihr bisher zusammen gearbeitet und mit wem werdet ihr in Zukunft zusammenarbeiten?
Onkel Franky: Ein Bekannter von mir arbeitet an Animations-Filmen und durch Ihn erhielt
ich diverese Aufträge in denen ich für den Soundtrack und die Sound-Effekte zuständig bin.
Azrael: Mit meinen Freunden, der CON-Kru, den Jungs von Kommt Juut und einem MC, namens Leech, aus New York.
Mit Michal Mic, Silla, Plaetter Pi, Roberto Estilos, Rako, Kalif, Sebar, Graszah, Strike 9, Flowone, Schulte, Fooga, Ostpack, Monsen, Liquit Walker, König Quasi, Das Nest, Tamas (Deineltan). In Zukunft wird hoffentlich mal was mit Orgi aufgenommen und dann mal sehen wer oder was noch so kommt.
Er-n-ik: Mit einigen Leuten aus meiner alten Heimat, dem Spreewald, wie z.B. San Fran Zernsdorf, D'n'K oder Fatcap. Seitdem ich in Berlin sesshaft bin, arbeite ich mit einer Liveband zusammen (Schwarz auf Weiß) mit denen ich schon einige Konzerte gegeben habe. Desweiteren mit der Sängerin Soi aus Rostock und natürlich der Kommt Juut Army. In naher Zukunft ist ein Dubsteptape mit Reatsch unter dem Namen Dubtales – Das Dubtape geplant, ein Sampler mit meinen eigenen Beats und natürlich mein Album, wo einige Gäste wie z.B. Amisha, 48 Stunden, Atzenkalle und weitere Features drauf zu hören sein werden.
Koas: Das waren schon sehr, sehr viele. Muss jetzt aber nicht sein.

Rapz.de:
Ihr arbeitet zur Zeit an eurem DrumNBass Sampler...Wie verläuft bei diesem Projekt die Aufnahme und die Produktion?
Koas: Die Idee wurde von mir ins Leben gerufen da wir die Mukke feiern und in dieser Richtung schon viel produziert haben. Die Instrumentals sind auch alles Eigenkreationen die für überraschungen und neues in den Ohren sorgen wird.
Azrael: Bei den schnellen Parts, hat es schon Mal ein wenig gedauert, da wir jeden Part in
einem Durchlauf einrappen, aber wir hatten wirklich ne Menge Spaß beim Schreiben und bei den Aufnahmen.
Er-n-ik: Getroffen, geschrieben, aufgenommen zwischen durch Beats produziert und die Parts anschließend gefeiert, also eigentlich ganz unkompliziert unkompliziert.
Rapz.de:
Was hört ihr derzeit privat am meisten/liebsten?
Onkel Franky: Tenacious D, französischen Rap, mexikanischen Crossover und vor allem
Tenacious D
Azrael: Am liebsten Instrumentals und klassische Musik, ansonsten eigentlich Vieles gemischt.
Er-n-ik: Ich höre natürlich viel Hip Hop, aber nicht mehr so alternierend wie früher. Momentan viel Soul, 30er und 40er Jahre Musik und Dubstep. Die Mischung machts.
Reatsch: Ich höre eigentlich so gut wie alles, je nach Laune und Situation. Am liebsten Metallica, Korn, Rage against the Machine und eben jede menge Hiphop und Dubstep.
Koas: Trash, Ebm, Rap und alles was neu für mich ist muss mindestens einmal gehört werden.
Rapz.de:
Was inspiriert euch zu eurer Musik und wie entstehen eure Texte?
Azrael: Alles was ich sehe und erlebe bestimmt und inspiriert meine Texte, so wie auch meine
Gedanken und Gefühle.
Er-n-ik: Mein soziales Umfeld inspiriert mich immer noch am meisten. Aber auch gelegentlich werde ich durch Politik oder Nachrichten beeinflusst. Meine Texte entstehen haupsächlich frei aus dem Bauch heraus, eine gute Idee wird weiter verfolgt, ein Konzept erarbeitet und dann versucht es professionell umzusetzen.
Reatsch: Die Erlebnisse des Alltags bilden eindrücke welche ich in Worte fasse um z.B. anderen Leuten zu zeigen das Sie nicht alleine da draußen sind mit scheiß gefühlen.
Rapz.de:
Kann man mit einem Kommt Juut Rap-Sampler oder etwas in der Art rechnen?
Kjm: Wir sind definitiv dafür!!! Es wird einen Kommt Juut Sampler erscheinen und noch einiges mehr, da wir zur Zeit wirklich mehr als produktiv sind.
Rapz.de:
Sind bei euch Live-Auftritte oder Videos geplant?
Azrael: Auf jeden Fall haben wir uns für 2011 Einiges vorgenommen und Live-Auftritte
stehen ganz oben auf unserer Liste.
Er-n-ik: Natürlich, ich liebe Liveauftritte, weil man da am besten sehen kann wie die Leute deine Musik feiern. Mit unserer Liveband werden wir stetig am rocken sein, aber auch mit Reatsch werden schon viele Vorbereitungen getroffen. Videos stehen auch in den Startlöchern, es wird also eine Menge passieren im Jahr 2011.
Rapz.de:
Zum Schluss des Interviews noch ein kurzes Brainstorming zu verschiedenen Künstlern oder Labels:
In drei Sätzen bitte, was denkst du über Deutschrap ?
Koas: Immer sehr unterhaltsam!!! Bin immer am Ball!!! Da passiert noch einiges!!!
Onkel Franky: Ich bin ein absoluter Musik-Extremist und höre dementsprechend alles und um ehrlich zu sein hab ich die letzten Monate kaum Deutschrap gehört. Auf jeden Fall feiere ich
die alten Sachen, aus den 90ern, Anfang 2000. Bei mir ist es so: Es gefällt mir oder nicht!
Reatsch: Das ganze Game entwickelt sich durch so einige Vögel zu einem einzigen Chaos, dieses möchtegern ich bin so krass mit Knarre Zeug ist echt nervenraubend. Warum muss man Leute Boxen die ihren Freestyle Gegner Battlen? Es ist einfach nur Behindert das so viele Leute den Respekt vor anderen verloren haben. Gangster Rap ist ein Teil von Rap ja, aber dann muss er auch 100 % authentisch sein und nicht so aufgesetzt sein wie er zu 97 % ist. Ich finde es wirklich cool das Leute wie Azad, Savas, Sido usw. die Charts gestürmt haben und gezeigt haben das deutscher Rap zu etwas großem im Stande ist. Ich bin echt mal gespannt wie sich das Game hier weiter entwickelt.
Azrael: Deutsch-Rap ist cool, ob Aggro oder Concious-Rap ist mir dabei egal. Das Künstler dabei sind, deren Talent anzuzweifeln ist, ist dabei keine Frage, aber die gibt es ja überall.
Er-n-ik: Wird immer langweiliger, außer einige Künstler können meinem Anspruch gerecht werden, aber das ist wie bekannt immer Geschmackssache.
Wie siehts du die Zukunft von deutschem Rap?
Onkel Franky: Auf jeden Fall wird die Zukunft interessant. Dank dem Internet entdeckt man
heut zu Tage schnell viele interessante Künstler. Man muss nicht mehr bei Viva oder Anderen
anklopfen um Aufmerksamkeit zu bekommen, denn dafür gibt´s youtube, myspace, etc..
Azrael: Rosig, denn es gibt unendlich viele Dinge über die man schreiben kann und
ich glaube nicht das sich so schnell Etwas daran ändert.
Er-n-ik: Wenn es noch mehr Money Boys oder Bushidos in naher Zukunft schaffen werden, die Leute mit primitivem Gelaber zu unterhalten, sehe ich schwarz für den deutschen Rap. Aber ich denke das viele junge Künstler wie z.B. Maeckes, Tua, Marteria, Joka, Fard etc. Dagegen halten werden.
Wie stehst du zur Politik?
Reatsch: Alle auf Drogen und definitiv überbezahlt.
Onkel Franky: Das würde jetzt echt den Rahmen sprengen, deshalb fang ich jetzt gar nicht erst davon an.
Azrael: Ich kümmere mich nicht allzu sehr um Politik, aber das was ich mitkriege gefällt mir oft genau so wenig, wie den meisten Deutschen. Aber da ich auch nicht die Ahnung von Politik habe
möchte ich mir kein großes Urteil über deren treiben bilden.
Er-n-ik: Ich bin schon interessiert, habe aber leider die FDP gewählt, was sich jetzt als großer Fehler darstellt.
Koas: Fickt mein Kopp. Daher Fick ick die Politik!