An diesem Samstag steigt ein Rückkampf, auf den die Fans seit langem gewartet haben: Tito Ortiz und Forrest Griffin werden bei UFC 106 zum zweiten Mal im Octagon gegeneinander antreten. Ihr erster Kampf im April 2006 – Griffins erste Bewährungsprobe nach dem Gewinn von The Ultimate Fighter 1 – endete kontrovers in einer geteilten Punktrichterentscheidung zu Gunsten von Ortiz. Im Anschluss daran fuhren ihre Karrieren Achterbahn und ihre letzten Siege liegen bereits einige Monate zurück. Jetzt sind sie heiß darauf, der Welt zu zeigen, dass noch immer mit ihnen zu rechnen ist.
In der ersten Runde ihres Kampfes bei UFC 59 begann Ortiz stürmisch wie man es von ihm gewohnt war. Er verfrachtete Griffin auf den Rücken und ließ Fäuste und Ellenbogen hageln. Doch seine patentierte Ground & Pound-Attacke verhalf ihm nicht zum vorzeitigen Sieg – Griffin überlebte die erste Runde angeschlagen, aber weiterhin kampfeslustig.
„Ich habe ihm alles, was ich hatte, entgegen geworfen“, erinnert sich der mittlerweile 34 Jahre alte Ortiz. „Ich war in keiner sonderlich guten Verfassung, also habe ich versucht, ihn so schnell wie möglich zu besiegen. Nachdem die erste Runde vorbei war, hatte ich kaum noch Energie. Zudem hatte ich drei Bandscheibenvorwölbungen im Rücken und ein angerissenes Kreuzband. Mir ging es also ziemlich schlecht.“
In den Runden zwei und drei wendete sich das Blatt: Griffin drehte auf und setzte dem „Huntington Beach Bad Boy“ im Stand zu. Die Fans und einer der Punktrichter sahen Griffin nach 15 spannenden Minuten vorne, doch die anderen zwei Punktrichter gaben den Sieg an Ortiz.
In den drei Jahren seit diesem Kampf ist einiges in den Karrieren der beiden Beteiligten passiert: Ortiz feierte 2006 gleich zwei Erfolge gegen seinen „Erzfeind“ Ken Shamrock, Griffin gewann gegen Stephan Bonnar und verlor gegen Keith Jardine. Danach stieg er mit Siegen über Mauricio „Shogun“ Rua und Quinton „Rampage“ Jackson zum Halbschwergewichtschampion auf, während Ortiz gegen Chuck Liddell und Lyoto Machida verlor. Die Punktniederlage gegen Machida im Mai 2008 war sein vorerst letzter Kampf. Aufgrund seiner langjährigen Streitereien mit UFC-Präsident Dana White entschloss er sich, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Mittlerweile haben sie sich wieder versöhnt.
Ortiz nutzte diese Auszeit für einen chirurgischen Eingriff, der ihn mit Erfolg von seinen seit 2003 anhaltenden Rückenproblemen befreite. Nun, da er laut eigener Aussage erstmals seit vielen Jahren wieder schmerzfrei trainieren und kämpfen kann, will er noch einmal nach dem begehrten Halbschwergewichtstitel greifen, den er im Jahr 2000 gewonnen und anschließend fünfmal verteidigt hat. Obwohl Ortiz so lange nicht gekämpft hat, gehört er nach wie vor zu den beliebtesten Kämpfer in der UFC.
„Es gibt viele Leute, die ihr Leben durch die Kämpfer leben und viele Kämpfer kümmern sich einfach nur um das Kämpfen und ihre Bezahlung“, erzählt Ortiz. „Sie wollen keine Autogramme geben, Bilder machen oder Interviews führen. Das ist unser Job! Ich versuche, die Kunde über den MMA-Sport zu verbreiten und darüber, was ihn wirklich ausmacht. Es geht nicht um Schläger, die in einen Käfig steigen und versuchen, sich gegenseitig umzubringen. Wir sind Hochleistungssportler, gebildet, klug und wir verstehen den geschäftlichen Teil des Sports – zumindest tun das ein paar von uns. Ich habe ihn vom ersten Tag an verstanden. Und ich denke, ein Grund, weswegen ich so viele Fans habe, ist eben, dass ich diesen zusätzlichen Teil verstanden habe. Ich will nicht nur eine Inspiration sein, sondern ein Vorbild für die Kinder und Jugendlichen. Sie sollen wissen, dass sie mit harter Arbeit und Hingabe alles erreichen können.“
Auch Griffin konnte sich nie über zu geringen Fanzuspruch beklagen, doch nach dem Titelverlust an Rashad Evans und seiner blamablen Niederlage gegen Anderson Silva bei dessen Ausflug ins Halbschwergewicht stellten sich viele die Frage, ob er überhaupt das Zeug dazu habe, konstant in der Weltspitze zu kämpfen.
„Ich denke, dass sich seine Niederlagen negativ auf ihn ausgewirkt haben“, meint Ortiz. „Ich weiß, was ich in der Zukunft erreichen will – ich will wieder Weltmeister sein. Forrest will das nicht, er will einfach kämpfen. Ich weiß, dass er vor kurzem erst geheiratet hat und nun eine Familie gründen will, vielleicht ist das Kämpfen für ihn nur noch Nebensache. Ich will wieder Weltmeister sein und um das zu tun, muss ich über Forrest Griffin hinwegrollen.“
Diese Einschätzung von Ortiz ist zum Teil gar nicht so verkehrt. Griffin wollte nie ins Rampenlicht, er wollte nie ein gefeierter Star werden. Der 30-Jährige wollte einfach nur kämpfen, der Rest hat sich dann irgendwie ergeben. „Nach meinem letzten Kampf habe ich mich gefragt, warum ich überhaupt noch kämpfe“, gesteht Griffin. „Aber die Sache ist die: Mir fällt einfach keine bessere Tätigkeit ein, die mir mehr Spaß macht, als zu trainieren. Ich würde nichts lieber tun als gegen Pratzen zu treten und zu ringen. Klar, man steckt etwas ein und es gibt Höhen und Tiefen, aber es gibt trotzdem nichts, das ich lieber tun würde.“
Höhen und Tiefen haben Griffin und Ortiz in den mehr als drei Jahren seit ihrem ersten Kampf einige durchlebt, wobei zumindest in der letzten Zeit die Tiefen überwogen haben. „Ich muss mich daran erinnern, wie gut es sich anfühlt, wenn man gewinnt“, meint Griffin. „Ich weiß, wie schlecht es sich anfühlt, wenn man verliert. Es ist das schlimmste Gefühl der Welt und man darf das Kämpfen und das Training nicht damit verbinden. Ihr habt gesehen, wie ich ein paar Kämpfe verloren habe und nicht gut damit zurechtgekommen bin. Ich bin kein Fan von Niederlagen, sie ziehen einen herunter – zumindest ziehen sie mich herunter. Also muss ich mich daran erinnern, wie gut sich Siege anfühlen.“
Wenn es nach Ortiz geht, wird Griffin am Samstagabend etwas anderes fühlen, etwas viel schmerzhafteres: „Ich kämpfe mit Aggressivität, ich kämpfe mit Bösartigkeit und das wird er zu spüren bekommen! Ihr habt es im ersten Kampf gesehen. Ich werde ihm schwer zusetzen und dann sehen wir, ob er die Schläge und Ellenbogenstöße einstecken kann. Ich habe alle seine Kämpfe seit damals gesehen – er kickt sehr häufig. Ich hoffe, dass er auch gegen mich kickt, denn jedes Mal, wenn er das tut, werde ich ihn auf den Boden werfen. Wir werden sehen, wir er mit meinem Ground & Pound klarkommt. Er wird sich drei Runden lang im Überlebensmodus befinden und ich werde ihm drei Runden lang zusetzen!“