Bundesliga - Schallende Ohrfeige für Timoschtschuk
Eurosport - Di 04.Aug. 15:48:00 2009
Er kam mit großen Ambitionen aus St. Petersburg. Doch Anatolij Timoschtschuk findet sich zum Saisonstart auf der Bayernbank wieder. Der Elf-Millionen-Mann kommt nicht an Kapitän Mark van Bommel vorbei. Trainer Louis van Gaal baut voll und ganz auf den Niederländer - für Timoschtschuk ist kein Platz.
Und van Bommel sieht sich bestätigt. Schon im Winter hatte der holländische Leitwolf auf Spekulationen über eine Verpflichtung von Timoschtschuk mit markigen Sprüchen reagiert.
"Der kann gerne kommen - und dann sitzt er schön auf der Ersatzbank", sagte van Bommel damals. Der FCB blätterte für "Timo" trotzdem elf Millionen Euro hin, lotste den Mittelfeldstrategen an die Isar. Van Bommel behielt aber Recht: Er selbst darf spielen, der Neue muss schmoren.
Stammplatz für den Kapitän
"Mein Kapitän spielt immer", betonte van Gaal zuletzt immer wieder und gibt seiner unumstrittenen Führungsfigur damit einen Freifahrtschein. Für Timoschtschuk ist das eine Katastrophe. Der "David Beckham des Ostens" kam mit eigenem Koch, Pressesprecher sowie Masseur nach München und verzweifelt nun an der Tatsache, an van Bommel nicht vorbeizukommen. Auch im rechten Mittelfeld, wo der 30-Jährige ebenfalls spielen kann, ist kein Platz für ihn frei. Hier vertraut van Gaal auf Rechtsaußen-Spezialist Hamit Altintop.
"In unserem System kann Timoschtschuk nicht auf seiner Lieblings-Position spielen. Dort spielt van Bommel", sagte van Gaal, der genau um das Dilemma des Ukrainers weiß. In der Vorbereitung gewährte er dem Neueinkauf noch reichlich Spielzeit, testete auch ein System mit einer Doppel-Sechs, in dem van Bommel und Timoschtschuk zum Einsatz kamen. Pünktlich zum Saisonbeginn hat sich van Gaal aber für ein klassisches 4-4-2 entschieden - zum Leidwesen von Timoschtschuk.
Timoschtschuk wartet auf seine Chance
Für van Bommel hingegen hat sich beim FC Bayern alles zum Guten gewendet. Unter Klinsmann noch lange Zeit unter Wert gehandelt, setzte sich der Niederländer insbesondere in der Rückrunde immer mehr in Szene. Er übernahm auch in schwierigen Situationen Verantwortung, untermauerte seinen Kapitänsstatus.
Dass van Bommel in der Mannschaft akzeptiert wird, hat auch van Gaal erkannt. "Ich habe gesehen, dass er die Mannschaft auf eine gute Art und Weise beeinflussen kann. Und das ist wichtig", sagte der Trainer über seinen Landsmann. Von einer bevorzugten Behandlung des Landsmannes kann also keine Rede sein.
Kein Wunder also, dass van Bommel spielt und "Timo" auf die Bank muss. Doch dass sich der Ukrainer langfristig ins zweite Glied rücken lässt, ist nicht zu erwarten. Timoschtschuk ist ein Kämpfer und wartet auf seine Chance. Das weiß auch van Bommel: "Die Binde ist kein Ruhekissen für mich. Ich habe noch mehr Druck, weil ich in jedem Spiel überzeugen muss." Und das, das weiß auch Timoschtschuk.