Fußball-Vereine machen selten das, was die Fans fordern. Anders Electronic Arts: Dort haben die Anhänger entscheidenden Einfluss auf den „Fußball Manager 10“. Die Redaktion wirft einen ersten Blick auf die vielen kleinen und die eine große Neuerung im Managerspiel.Der HSV wirft Sportchef Dietmar Beiersdorfer raus, Köln-Trainer Christoph Daum verschwindet in die Türkei, Borussia Mönchengladbach verkauft Marko Marin – was bei den Clubs in der Sommerpause passiert, ist nicht immer im Sinne ihrer Anhänger. Schön, dass es die „Fußball Manager“-Serie von Electronic Arts (EA) gibt: Die Vorbereitungen für den neuesten Ableger – den „Fußball Manager 10 (FM 10)“ – sind in vollem Gange und die Wünsche der Fans haben bei den Entwicklern oberste Priorität.Viele kleine, eine grundlegende NeuerungDavon zeugt neben den vielen kleinen Veränderungen, die auf den Vorschlägen von Spielern basieren, vor allem eine Ankündigung: Ab Herbst 2009 gehen Sie mit Ihrem Verein online. Das hatten Fans der Reihe lange gefordert. Der neue Multiplayer-Modus ist vom Hauptspiel abgekoppelt. Sie starten Ihre Mehrspieler-Partien zwar aus dem „FM 10“ heraus, ab diesem Punkt ist aber alles anders: Mit bis zu acht Teilnehmern bestreiten Sie gemeinsam eine Saison. Die restlichen Vereine übernimmt der Computer.Mehrspieler-Modus im FM 10Über eine stark vereinfachte Benutzeroberfläche lenken Sie die Geschicke Ihres Clubs. Die Taktikecke entfällt komplett und auch Spielerstärken, Training sowie Stadion- und Infrastrukturmanagement gestalten sich deutlich einfacher als im Offline-Modus. Witzig sind die Ablöseverhandlungen für Kicker: Wie bei der Auktions-Plattform Ebay bieten alle Manager auf einen Spieler mit und sehen ständig das höchste Gebot. Kurz vor Ende führt das zu wilden Angebots-Rallyes um den Zuschlag.Eine Partie mit Ihren Freunden können Sie jederzeit beenden und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen. Damit ein Spiel mit acht Teilnehmern nicht endlose Wartezeiten mit sich bringt, ist die Zeit für einen Manager-Tag auf nur wenige Minuten begrenzt. Das fordert von Ihnen schnelle Entscheidungen und erlaubt deutlich weniger langwierige Planungen.Mehr Perfektion im Einzelspieler-ModusDas Herz des „Fußball Manager 10“ bleibt aber der Einspieler-Modus. Für diesen Programmteil gibt EA die Maxime „perfektionieren, nicht revolutionieren“ aus. Die Liste der Verbesserungen enthält viele sinnvolle Punkte: In Zukunft erstellen Sie Ihr virtuelles Manager-Ich als 3D-Figur. Betrachten Sie das Spiel Ihrer Mannschaft im 3D-Modus, sitzen Sie höchstpersönlich auf der Trainerbank. Zwischen den Aktionen auf dem Rasen schwenkt die Kamera immer wieder auf Sie und zeigt, wie Sie jubeln oder sich ärgern.Der Trainer, wie er leibt und lebtAus der Coaching-Zone brüllen Sie auch Kommandos auf das Spielfeld. Wer will, erstellt dafür sogar seine eigenen Sprachdateien, die dann das ganze Stadion hört. Aber Vorsicht mit dem Reinschreien: Wenn Sie schimpfend wie ein Rohrspatz ständig an der Seitenlinie auf und ab marschieren, schickt der Schiedsrichter Sie auf die Tribüne. Dann müssen Sie tatenlos dabei zusehen, wie Ihre Mannschaft eine Bude nach der anderen kassiert. Immerhin haben Sie dann noch die Möglichkeit, sämtliche Informationen und Optionen zu allen Spielern auf dem Feld abzurufen. Vielleicht läuft Ihnen ja – wie dem FC Bayern München vor einigen Jahren – ein Roy Makaay über den Weg, den Sie direkt verpflichten wollen, nachdem er Sie aus der Champions League geschossen hat.Hübschere OptikGrafisch ist das 3D-Spiel jetzt auf dem Stand von „Fifa 09“. Für Manager, denen eine komplette Begegnung zu lang ist, die aber trotzdem gerne die Höhepunkte aus dem Stadion genießen, gibt es den Highlight-Mode. Dort laufen die Partien als Text ab, sehenswerte Szenen betrachten Sie in voller 3D-Pracht.Höhere AuflösungEinen frischen Anstrich erhält auch Ihr Schreibtisch: Der Arbeitsplatz erstrahlt jetzt hochauflösend in maximal 1920x1200 Pixeln. Dadurch haben Sie auch Platz für einen Notizblock, wo Sie sich Ihre wichtigsten Überlegungen notieren. Auch den Geburtstag Ihrer virtuellen Freundin vergessen Sie damit nicht mehr. Apropos Familie: Im „FM 10“ schalten Sie die auf Wunsch ab – eine Forderung der englischen „FM“-Anhänger.Witzige Details im HintergrundIm Hintergrund der Menüs sehen Sie in Zukunft Objekte, die charakteristisch für den jeweiligen Verein sind. Neben gewöhnlichen Dingen wie einem Fanschal, gibt es für den 1. FC Nürnberg beispielsweise Aufstiegsrasen. Werder Bremen freut sich derweil noch immer über die Papierkugel, die maßgeblich am Sieg im UEFA-Cup-Halbfinale gegen den Hamburger SV mitwirkte. Diese Objekte lassen sich frei erweitern: Im Internet dürften nach dem Verkaufsstart des „FM 10“ bald dutzende Fan-Kreationen die Runde machen.Erster Eindruck: Fußball Manager 10Der „Fußball Manager 10“ erfindet sich nicht selbst neu. Muss er auch gar nicht: Der Vorgänger war bereits gut (Testnote 2,08), die Liste der kleinen Verbesserungen ist lang und jeder Punkt stimmig. Obendrauf gibt es noch den neuen Online-Modus. Der klingt sehr dynamisch und verspricht viele weitere Stunden Spielzeit über Ihre Offline-Karriere hinaus. Wenn die Umsetzung aller Neuerungen eine ähnlich hohe Qualität aufweist wie in den Vorjahren, führen Sie Ihren Verein im Herbst 2009 mit einem echten Topmanager – ohne Bonuszahlungen für den Mehrspieler-Modus.