Palästinenser durchbrechen Grenze zu ÄgyptenMehrere tausend Palästinenser haben die Grenze zu Ägypten gestürmt. Am frühen Morgen sprengten bewaffnete Gruppen große Breschen in die Sperranlage und ermöglichten so den Übertritt. Die hungernden Menschen deckten sich in Ägypten mit Lebensmitteln ein.
Tausende Palästinenser haben am Mittwochmorgen die Grenze zu Ägypten gestürmt. Wie der israelische Rundfunk berichtete, hatten militante Palästinenser mit mindestens 15 Sprengladungen große Breschen in den Grenzzaun gerissen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP wurden dadurch zwei Drittel des Metallzauns zerstört.
Ägyptische Soldaten und die Polizei der palästinensischen Hamas seien nicht gegen die anstürmende Menge eingeschritten. Die ausgehungerten Menschen eilten in ägyptische Ortschaften, um dort Nahrungsmittel, Benzin und andere Versorgungsgüter einzukaufen.
Die meisten Menschen konnten ohne Kontrollen die Grenze überqueren. Sie brachten Ziegen, Hühner und Getränkekisten in den Gazastreifen. Der 29-jährige Mohammed Abu Ghasel sagte, er habe inzwischen drei Mal die Seiten gewechselt und dabei Zigaretten aus Ägypten mitgebracht, die er im Gazastreifen für den dreifachen Preis verkauft habe. "Davon kann meine Familie einen Monat leben."
Ein Mitglied der ägyptischen Sicherheitskräfte teilte mit, die rund 2000 Einsatzkräfte seien gegen den illegalen Grenzübertritt nicht eingeschritten, hätten jedoch die Zufahrtswege nach Rafah gesperrt. Wie mit den Palästinensern verfahren werde, sei noch nicht entschieden.
Israel hatte als Reaktion auf den fortwährenden Raketenbeschuss durch militante Palästinenser am Freitag vergangener Woche alle Grenzübergänge zum Gazastreifen geschlossen. Ägypten hatte die Sperrung unterstützt und seine Grenze zum Gazastreifen ebenfalls geschlossen. Seitdem leiden die Bewohner des Gebiets unter einem akuten Versorgungsmangel.
Hilfslieferungen zugesagt
Inzwischen hat Israel die Grenzsperre etwas gelockert: Tanklastwagen brachten 700.000 Liter Kraftstoff über die Grenze. Weitere Lastwagen transportierten Gasflaschen und Medikamente. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums kündigte an, dass die Lieferungen am Mittwoch fortgesetzt würden.
Bei einem Feuergefecht zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern wurde am Mittwochmorgen ein Hamas-Mitglied erschossen. Zu den Zusammenstößen kam es nach Angaben von palästinensischen Beamten in der Nähe des geschlossenen Grenzübergangs Sufa.
Bei Zusammenstößen zwischen mehreren hundert Palästinensern und ägyptischen Grenzbeamten waren bereits am Dienstag 70 Menschen verletzt worden.
Die Leiter der Palästina-Geberkonferenz hatten am Dienstagabend Israel aufgerufen, für einen freien Personen- und Warenverkehr im Gazastreifen zu sorgen. Die Lage in Gaza sei besorgniserregend, erklärten die Organisatoren in Paris. Die Palästinenserverwaltung müsse ihr Wirtschaftsprogramm schnell umsetzen, und die Geldgeber müssten ihre Versprechen einlösen. Bisher seien 7,7 Milliarden Dollar Hilfen für Palästina zugesagt worden.
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/339/153943/